Asymmetrische Partnerschaft: DD, Tradwife & PCLR im Vergleich

Allgemeines zu asymmetrischen Beziehungen

In jeder zwischenmenschlichen Beziehung gibt es Asymmetrien. Diese entstehen durch unterschiedliche physische und psychische Fähigkeiten, Verpflichtungen gegenüber Dritten, finanzielle Ressourcen und weitere Faktoren.

Von einer asymmetrischen Beziehung spricht man, wenn diese Asymmetrien nicht bekämpft, sondern bewusst gelebt und durch entsprechende Rollen noch verstärkt werden.

Für asymmetrische Beziehungen gibt es mehrere Bezeichnungen, je nach Ausprägung. Hier stelle ich eine Auswahl vor, auf die ich in meinem Buch näher eingehe und zeige, warum klassische Rollenbilder heute neu definiert werden müssen.


Warum entscheiden sich heute Menschen bewusst für eine 'ungleiche' Partnerschaft?

Die Gründe sind vielfältig und können hier nicht erschöpfend behandelt werden. Wichtig ist doch, ob es den Menschen – auch langfristig – damit gut geht, was sie tun. Hier ein paar Ideen zum Weiterdenken:

  • Im Beruf suchen viele Menschen regelrecht Führung. Warum also nicht auch in der Partnerschaft?
  • Viele Menschen fühlen sich durch den Mental Load regelrecht überfordert. Warum diesen einer App oder einem Coach übergeben, wenn diese Aufgabe auch gerne der geliebte Partner übernimmt?
  • Hingabe ist doch etwas Schönes. Es gibt nun mal Menschen, die sind von Natur aus devot.
  • Umgekehrt gibt es Menschen, die führen gerne. Die sind froh, wenn sie Verantwortung übernehmen können – eine Win-Win-Situation entsteht.

D/s-Beziehung (Dominanz & Submission) im Alltag

Dieser Begriff steht für Dom/sub-Beziehung (Dominant und Submissiv) – ein Modell, das aus dem BDSM kommt. Hierbei wird eine Hierarchie gelebt, um spezielle Bedürfnisse zu befriedigen. Ein tiefergreifendes, allgemeingültiges Beziehungskonzept liegt meist nicht dahinter, wenngleich es Paare gibt, die für sich alles, was ein modernes Beziehungsmodell braucht, individuell geregelt haben.

In meinem Buch arbeite ich heraus, dass dieses Modell nur dann im Alltag langfristig tragfähig ist, wenn der sich unterordnende Partner ein besonderes Bedürfnis nach Hierarchie hat.


Domestic Discipline (DD) – Herrschaft oder liebevolle Führung?

DD hat im anglo-amerikanischen Raum eine lange Geschichte. Heute wird darunter eine Beziehungsform verstanden, bei der der Mann die Struktur über das Haus und den gemeinsamen Alltag vorgibt. Viele klassische Texte, die davon handeln, räumen der Frage, wann und wie die Frau zu disziplinieren ist, jedoch einen erstaunlich großen Raum ein.

Im Vergleich zu einer reinen D/s-Beziehung steht hier zwar die Bewältigung des Alltags im Vordergrund, allerdings fehlt oft ein solides, reflektiertes Fundament, das sicherstellt, dass diese Asymmetrie nicht in ungesunde Machtspielchen oder Domestic Violence (häusliche Gewalt) abkippt.

Aus meiner Sicht geht es bei den gängigen Formen von DD in der Regel zu viel um das reine Herrschen und zu wenig um empathische Führung. Wer echte Führung ohne das patriarchale Herrschaftsprinzip sucht, wem Berechenbarkeit und eine sichere Struktur wichtig ist, in der Konsequenzen aus Liebe und nicht aus Willkür geschehen, findet in der PCLR die modernere Alternative.


Tradwife Bewegung – Die traditionelle Rolle der Frau neu überdacht

Die Tradwife-Bewegung ist ein moderner Trend, der die Rolle der Frau wieder primär im häuslichen und familiären Bereich definiert. Gerade wenn man kleine Kinder hat, haben viele Frauen das Bedürfnis, für ihren Nachwuchs vollumfänglich zu sorgen und sich der ganzen Familie hinzugeben. Da dies viel Verantwortung ist, ist es nur verständlich, wenn man diese in anderen Bereichen abgeben möchte. Dieser häusliche Bezug hat eine deutliche Parallelität zu DD.

Der gravierendste Schwachpunkt, den ich bei diesem Trend in der Realität sehe, ist jedoch das Fehlen einer langfristigen sozialen (und meist auch finanziellen) Perspektive für die Frau. Reine Tradition schützt im Ernstfall nicht vor Abhängigkeit.

Dass eine solche Absicherung der Partnerin aber unabdingbar ist und wie diese konkret und rechtlich bindend im asymmetrischen Alltag geschaffen werden kann, sind Kernpunkte in meinem Buch. Die PCLR löst dieses Problem, indem sie der Fürsorgepflicht des Mannes nicht nur für den Moment, sondern auch für die Zukunft eine hohe Priorität einräumt.


Female Led Relationship (FLR) – Wenn die Frau die Führung übernimmt

Beziehungen, in denen die Frau das Zepter in der Hand hält, wurden lange Zeit tabuisiert, wenngleich man davon ausgehen kann, dass es derartige Dynamiken in fast allen Kulturen in Nischen (meist im Verborgenen) gab. Heutzutage existiert dazu umfangreiche Literatur.

Da ein solches Modell für mich persönlich keine Option für eine Partnerschaft ist und ich keine tieferen Kenntnisse darüber habe, gehe ich darauf in meinem Buch nicht näher ein.

Festzuhalten ist, dass es keine biologischen oder rechtlichen Gründe gibt, warum der Mann oder die Frau (besser) führen sollte. Und selbst die religiösen Gründe sind – zumindest bezogen auf das Christentum – im 21. Jahrhundert nicht mehr haltbar, wie ich in meinem Buch und auszugsweise auf meiner Seite Moderne christliche Werte – Partnerschaft, Führung, Liebe und Sexualität zeige. Es gibt viele Paare, die mit diesem Konzept sehr glücklich sind.


Geführte Partnerschaft – Die Absage an das 'Augenhöhe-Ideal'

Bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts war die Mann-Frau-Hierarchie in der westlichen Welt rechtliche Realität. Dem wird zunehmend das „Augenhöhe-Ideal“ entgegengesetzt. Beide Ansätze sind aus meiner Sicht veraltet. Was wir stattdessen brauchen, ist eine moderne Führungsdiskussion, wie sie im Unternehmenskontext seit Langem der Standard ist.

Nach meiner Überzeugung funktionieren Beziehungen, bei denen Aufgaben und Verantwortungen klar geregelt sind, weitaus besser, als wenn ständig alles neu verhandelt werden muss. Der moderne Führungsbegriff leitet sich nicht aus verstaubten Pseudobegründungen ab, sondern schlicht aus Nützlichkeit. Die geteilte Führung ist dabei der Normalfall: Sie ist kompetenzbasiert und aufgabenbezogen.

Auf das, was bei einer Führung innerhalb einer Partnerschaft alles zu beachten ist, gehe ich in der Geführten Partnerschaft besonders ein.


Männlich geführte Partnerschaft ohne Patriarchat

Hier wird die Führung bewusst, einvernehmlich und widerruflich primär auf den Mann übertragen. Es entstehen dieselben strukturellen und psychologischen Vorteile (nur mit umgekehrten Vorzeichen), wie sie in der FLR-Literatur offen angesprochen werden. Allerdings besteht in der allgemeinen gesellschaftlichen Diskussion ein massiver Nachholbedarf, weil das Konzept häufig missverstanden und mit der Unterdrückung der Frau durch patriarchale Strukturen gleichgesetzt wird.

Mein Buch setzt genau hier an, um aufzudecken, dass echte, dienende Führung absolut nichts mit Missbrauch, Einschränkung oder Diktat des Patriarchats zu tun hat, sondern die maximale Freiheit der Frau bedeutet, sich fallen zu lassen.


Public Consensual Leadership Relationship (PCLR) – Mein Beitrag für gesunde, asymmetrische Beziehungen

Dieses neue Konzept wird von Grund auf in meinem Buch hergeleitet. Weil ich mir eine männlich geführte Partnerschaft wünsche, wird in meinem Werk konsequent diese Perspektive gewählt. Gleichwohl ist das Konzept der PCLR so flexibel aufgebaut, dass weite Teile theoretisch auch als FLR gelebt werden könnten.

Einen ersten Eindruck davon, wie Partnerschaften insbesondere, wenn sie asymmetrisch gelebt werden, gesund gehalten werden, findest Du auf der Seite Kriterienkatalog, die die zentrale Tabelle des Kapitels 6 der Geführten Partnerschaft enthält.


Mein persönliches Fazit: Vom Konzept zur Realität

Was ich mir mit der richtigen Partnerin innerhalb einer PCLR im Alltag ganz konkret von Herzen wünsche, findest Du stark verkürzt auf der Seite: Wer bist Du – und passen wir zusammen?.

Gleichwohl ist das Konzept der PCLR wesentlich umfangreicher, sodass Du erst durch das intensive Studium meines Buches ein wirkliches Verständnis von den Mechanismen einer PCLR bekommst.